DRESDNER Interview Das Potenzial des Unterbewussten – DRESDNER-Autor Martin Schwickert sprach mit Regisseur Christopher Nolan über »Inception«
Mr. Nolan, »Inception« ist ein Film, der nahezu komplett im menschlichen Unterbewusstsein spielt. Warum haben Sie sich für diese »location« entschieden?
Christopher Nolan: Ich wollte immer schon einmal einen Film machen, der in der Welt der Träume angesiedelt ist. Den ersten Entwurf habe ich schon vor zehn Jahren geschrieben und mich dabei auf die Idee konzentriert, dass eine Technologie entwickelt wird, mit deren Hilfe man seine Träume mit anderen teilen und ins menschliche Unterbewusstsein eindringen kann. Es sollte ein großer Action-Film werden, der dadurch, dass er im Unterbewusstsein angesiedelt ist, eine ungewöhnlichen Sicht auf die Welt vermittelt.
Andere Filmemacher, die sich in Traumwelten begeben, schwelgen im fantastischen Raum. Ihr Film hingegen wirkt sehr streng komponiert...
Christopher Nolan: Die Welt der Träume ist ein Reich der unendlichen Möglichkeiten – das macht sie faszinierend, aber auch schwer zu dramatisieren. Nicht alle Möglichkeiten, die sich dieser Welt eröffnen, lassen sich in eine Geschichte einbinden. In der Geschichte von »Inception« geht es ja eigentlich um einen Betrug. Die Traumwelten werden von den Figuren im Film künstlich erschaffen, um andere zu manipulieren. Es geht mir bei »Inception« darum, dass das Publikum ein Gefühl dafür bekommt, welches Potenzial in dieser Welt des Unterbewussten steckt.
Inwieweit reflektiert »Inception« die Rolle des Kinos als Traumfabrik?
Christopher Nolan: »Inception« ist natürlich auch ein Film über das Filmemachen. Ein Drehbuch, in dem sich Menschen für einen anderen Menschen eine alternative Realität ausdenken, spiegelt natürlich den kreativen Prozess, wie ich ihn selbst beim Filmemachen erlebe. Um diese alternative Realität zu erschaffen, wird in »Inception« ein Team aus talentierten Leuten zusammen gestellt, die aus verschiedenen speziellen Winkeln diese Welt gestalten können. Genauso geht man als Regisseur vor, wenn man Cast und Crew zusammenstellt.
Im Vorfeld wurde sehr wenig über das Filmprojekt preisgegeben, was die Gerüchteküche im Internet stark angeheizt hat. Warum diese Geheimniskrämerei?
Christopher Nolan: Es ist heutzutage sehr schwer dem Publikum eine frische, unvoreingenommene Seherfahrung zu ermöglichen. Durch das Internet scheinen die Leute schon alles über einen Film zu wissen, lange bevor er überhaupt in die Kinos kommt. Als Kinogänger liebe ich das Gefühl, wenn das Licht im Saal ausgeht und ich nicht weiß, was auf mich zukommt. Immer wenn ich einen Film mache, versuche ich deshalb so wenig wie möglich vorher nach außen dringen zu lassen.
Vielen Dank für das Gespräch!
»Inception«, USA 2010, Regie: Christopher Nolan, mit: Leonardo DiCaprio, Joseph Gordon-Levitt, Ken Watanabe, Ellen Page u.a. Der Film ist ab 29. Juli in Dresden in der ufa, Cinemaxx, UCI zu sehen.
Mehr zum Film: wwws.warnerbros.de/inception/mainsite/
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| Während sie in einem Pariser Straßencafè sitzen, beginnt sich die Welt um sie herum aufzulösen. Im Hintergrund explodiert ein Gemüseladen, Orangen, Äpfel, Salatköpfe fliegen durch die Luft. Die Fassaden der Häuser bröckeln, Gebäude sinken in sich zusammen und versinken im Erdboden. Ein paar Meter weiter wird ein ganzes Häusermeer nach oben gebogen und zusammengeklappt. Es ist kein Verlass in dieser Welt. Auch wenn die Bilder der Pariser Straßenzüge vertraut erscheinen, kann sich das Auge nicht an ihnen festhalten. Denn wir sind hier nicht nur im Kino, in dem die digitale Revolution das Vertrauen in die Verlässlichkeit der Bilder in seinen Grundfesten erschüttert hat, sondern mitten im menschlichen Unterbewusstsein, wo die Imagination mit dem Vertrautem spielt, Traumwelten erschafft und zerstört. Mit »Inception« entwirft Christopher Nolan ein hochkomplexes Stück Kino, das immer neue Räume eröffnet, tief und visuell fassbar in die Psyche seiner Hauptfigur eindringt und trotzdem als rasantes Abenteuer auf der Leinwand besteht. Seit »Matrix« hat man solch klug strukturiertes Actionkino nicht mehr gesehen. Gedreht wurde hauptsächlich vor Originalkulissen und auf traditionellem Filmmaterial. Das Ergebnis hat eine optische Brillanz und visuelle Wahrhaftigkeit, um die die Pixelingenieure noch lange ringen werden. |
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